Vortag von Peter Börner

Peter Bör­ner zum Thema “Das deut­sche Natio­nal­be­wußt­sein und die Befrei­ungs­kriege 1813″

„Seit wann gibt es ein deut­sches Nationalgefühl?“
Auf diese Frage ver­suchte Peter Bör­ner in sei­nem zwei­ten Vor­trag im Januar für die Schle­si­sche Lands­mann­schaft, Kreis­gruppe Bonn, Ant­wor­ten zu fin­den. Nach­dem der Refe­rent bei sei­nem ers­ten Auf­tritt vor knapp zwei Jah­ren schon die Frage „seit wann und warum spre­chen wir deutsch? “the­ma­ti­siert hatte, traf er mit dem neu­er­li­chen Thema offen­bar einen Nerv, denn der Kur­fürs­ten­saal der Godes­ber­ger Stadt­halle, in der die Lands­mann­schaft ihre monat­li­chen Ver­an­stal­tun­gen abhält, war mit gut 50 Besu­chern voll besetzt.
Der Unter­ti­tel – „Ein not­wen­di­ger Auf­klä­rungs­ver­such“ ließ schon ahnen, dass Peter Bör­ner nicht dem gän­gi­gen Zeit­geist fol­gen würde, nach dem „die Deut­schen“ es his­to­risch so nicht gege­ben habe, son­dern eine Erfin­dung der Neu­zeit seien und so etwas wie ein deut­sches Natio­nal­ge­fühl frü­hes­tens mit den Befrei­ungs­krie­gen gegen Napo­leon (1813) ent­stan­den sei. Sol­che The­sen wer­den von eini­gen Wis­sen­schaft­lern ver­tre­ten, von den Medien gerne auf­ge­nom­men und über Schul­bü­cher offen­bar im Bewusst­sein poli­ti­scher Kor­rekt­heit ausgerollt.
Peter Bör­ner beließ es nicht bei Gegen­be­haup­tun­gen son­dern belegte die Tat­sa­che, dass es schon viel frü­her Hin­weise auf eine deut­sche Iden­ti­tät und Volks­zu­ge­hö­rig­keits­ge­fühl gab, mit einer Fülle von Bei­spie­len. Dabei spannt er den Bogen von den Eini­gungs­be­mü­hun­gen Karls des Gro­ßen, über den hoch­mit­tel­al­ter­li­chen Min­ne­ge­sang Walt­hers von der Vogel­weide zu Luther und hin zur deut­schen Klas­sik der Lite­ra­tur und Thea­ter­kunst. So wur­den in den Schrif­ten der mit­tel­al­ter­li­chen Klös­ter um das Jahr 1000 noch das alt­hoch­deut­sche Wort „diu­tisc“ für „deutsch“ ver­wen­det. Im Frei­heits­brief für die Pra­ger Deut­schen von 1176, erlas­sen von Her­zog Sobies­law II. von Böh­men wer­den die Deut­schen als gemein­schaft­li­che Volks­gruppe ange­spro­chen, obwohl sie sich aus Fran­ken, Bay­ern, Schwa­ben usw. zusam­men­setz­ten. Ab etwa 1400 fin­det man besie­gelte Doku­mente, in denen Nota­tio­nen wie „teut­sche Nation“ oder „diut­schen Nacion“ ver­wen­det wer­den. Mar­tin Luther fragt im Send­brief vom Dol­met­schen (1530) „Wel­cher Deut­scher ver­ste­het das“?
Natür­lich hat – und das ist viel­leicht eine der Ursa­chen für das nicht-sehen-wollen eines frü­hen deut­schen Natio­nal­ge­fühls – die Zuge­hö­rig­keit zu einem Reichs­ver­bund oder einer Sprach­ge­mein­schaft die ein­zel­nen Stämme nicht davon abge­hal­ten, sich gegen­ein­an­der zu bekrie­gen. In die­ser Bezie­hung dürfte in der Tat der Kampf gegen den gemein­sa­men Geg­ner Napo­leon die Völ­ker deut­scher Nation enger zusam­men­ge­schweißt haben.
Zur Per­son: Peter Bör­ner wurde 1941 in Teben­dorf Kreis Bunz­lau gebo­ren. Nach einem Stu­dium der Ger­ma­nis­tik und Theo­lo­gie war er bis zu sei­nem Ruhe­stand als Leh­rer in Sieg­burg tätig. Von dort führt er seit eini­gen Jah­ren die Bun­des­hei­mat­gruppe der Bunzlauer.
(Dr. Man­fred Göttlicher)

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