Jahresempfang der Landsmannschaften

Ers­ter gemein­sa­mer Jah­res­emp­fang der Lands­mann­schaf­ten im BdV

Am 22. April fand der Jah­res­emp­fang der im Bund der Ver­trie­be­nen (BdV) ver­ei­nig­ten Bon­ner Land­mann­schaf­ten in der Stadt­halle Bad Godes­berg statt. Es war eine Pre­miere, denn eine sol­che Ver­an­stal­tung hatte der Bon­ner Kreis­ver­band des BdV bis­lang noch nicht im Pro­gramm. Warum aber kam es dazu? Mit den Stich­wor­ten „zusam­men­rü­cken, zusam­men­ar­bei­ten und Syn­er­gien nut­zen und vor allem hier im Wes­ten zei­gen, daß wir Ost– und Sude­ten­deut­schen noch da sind“ begrün­dete der Vor­sit­zende Ste­phan Rau­hut die­ses Ereig­nis. Und die Reso­nanz war mit rund 100 Besu­chern außer­or­dent­lich gut und schien sogar die Erwar­tun­gen der Ver­an­stal­ter über­trof­fen zu haben, denn es waren mehr Gäste als Sitz­plätze vor­han­den – ein frü­hes Erschei­nen wurde also belohnt, gleich­zei­tig ist dies aber auch ein Fin­ger­zeig für die Ver­an­stal­ter, zukünf­tig mehr Sitz­plätze bereit­zu­stel­len.
Neben den Mit­glie­dern der Lands­mann­schaf­ten – den Schle­si­ern und Ober­schle­si­ern, den Ost­preu­ßen, West­preu­ßen, Pom­mern, Sie­ben­bür­ger Sach­sen und den Sude­ten­deut­schen – mit ihren jewei­li­gen Vor­sit­zen­den fand sich auch wei­tere Pro­mi­nenz, beson­ders aus der Poli­tik und natür­lich auch aus den Rei­hen des BdV Lands­vor­stands. Auch ein offi­zi­el­ler Ver­tre­ter der katho­li­schen Kir­che konnte begrüßt werden..

Nach einem kur­zem Toten­ge­den­ken für den ver­stor­be­nen Grün­dungs­vor­sit­zen­den der Lands­mann­schaft Schle­sien in Bonn, Dr. Robert Schä­fer, sowie für Gott­fried Kraus folgte die Eröff­nung der Ver­an­stal­tung durch den Bon­ner BdV-Vorsitzenden Ste­phan Rau­hut. Er begrüßte die Anwe­sen­den und wid­mete sich dann dem Thema der Ver­trei­bung, das bedau­er­li­cher­weise medial nur wenig, im Schul­un­ter­richt sogar kei­ner­lei Beach­tung finde. Eine erfreu­li­che Aus­nahme sei die Rezen­sion eines kürz­lich erschie­ne­nen Buches des US-amerikanischen His­to­ri­kers Ray M. Dou­glas über die Ver­trei­bung der Deut­schen im Deutsch­land­ra­dio gewe­sen. Dou­glas wolle mit sei­nem Buch die­sen weit­ge­hend tot­ge­schwie­ge­nen Teil der deut­schen Geschichte in das kol­lek­tive Gedächt­nis der Welt brin­gen. Dar­über­hin­aus soll­ten auch die Exis­tenz und Bedeu­tung ihrer Her­kunfts­ge­biete allen Deut­schen bekannt sein. Dies zu finan­zie­ren ist Staats­auf­gabe! So könne man im § 96 (BVFG) zur Pflege des Kul­tur­gu­tes der Ver­trie­be­nen und Flücht­linge und För­de­rung der wis­sen­schaft­li­chen For­schung lesen: „Bund und Län­der haben ent­spre­chend ihrer durch das Grund­ge­setz gege­be­nen Zustän­dig­keit das Kul­tur­gut der Ver­trei­bungs­ge­biete in dem Bewußt­sein der Ver­trie­be­nen und Flücht­linge, des gesam­ten deut­schen Vol­kes und des Aus­lan­des zu erhal­ten, Archive, Museen und Biblio­the­ken zu sichern, zu ergän­zen und aus­zu­wer­ten sowie Ein­rich­tun­gen des Kunst­schaf­fens und der Aus­bil­dung sicher­zu­stel­len und zu för­dern. Sie haben Wis­sen­schaft und For­schung bei der Erfül­lung der Auf­ga­ben, die sich aus der Ver­trei­bung und der Ein­glie­de­rung der Ver­trie­be­nen und Flücht­linge erge­ben, sowie die Wei­ter­ent­wick­lung der Kul­tur­leis­tun­gen der Ver­trie­be­nen und Flücht­linge zu för­dern.“ Daher sei es die Auf­gabe unse­rer jewei­li­gen Regie­rung, die­sem Gesetz nach­zu­kom­men und die ekla­tan­ten Wis­sens­lü­cken auf die­sem Gebiet bei unse­ren Mit­bür­gern zu schlie­ßen.
Auch sei es die drin­gende Auf­gabe unse­rer Regie­rung, bei Staats­be­su­chen in Polen, in Tsche­chien oder in der Slo­wa­kei auf die dort zum Teil immer noch beste­hen­den, men­schen­ver­ach­ten­den Benesch– und Bierut-Dekrete hin­zu­wei­sen und die dor­ti­gen Regie­run­gen dazu zu bewe­gen, diese ein für alle­mal abzu­schaf­fen. Glei­ches gelte für die Umset­zung der Min­der­hei­ten­charta der EU, wel­che den auto­chtho­nen Min­der­hei­ten ent­spre­chende Rechte ein­räumt. In einem gut nach­bar­schaft­li­chen Ver­hält­nis soll­ten diese The­men kein Tabu dar­stel­len. Die deut­schen Ver­trie­be­nen­ver­bände hät­ten sich stets für das Zusam­men­wach­sen Euro­pas in gegen­sei­ti­gem Respekt und Tole­ranz mit den ande­ren Völ­kern stark gemacht. Es sei daher nun an der Zeit, daß die Poli­tik diese Arbeit hono­riere und die Ver­trie­be­nen­ver­bände stär­ker unterstützt.

Nach einem kur­zen, lei­der auch etwas schwa­chen musi­ka­li­schen Inter­mezzo, das zudem the­ma­tisch nichts mit der Ver­an­stal­tung zu tun hat – eine ost­deut­sche Musik wäre hier sicher­lich pas­sen­der gewe­sen als ein Hän­del oder Mozart Menu­ett –, ergriff der Land­tags­ab­ge­ord­nete von Grün­berg (SPD) das Wort. Er ver­wies auf seine ost­preu­ßi­schen Vor­fah­ren, zu denen u.a. sein Vater, der letzte Rek­tor der Königs­ber­ger Uni­ver­si­tät gehörte. Auf­grund sei­nes fami­liä­ren Hin­ter­grun­des setze er sich sehr für die Ver­trie­be­nen und die Erin­ne­rung an ihre Geschichte ein. Ent­spre­chen­des Enga­ge­ment bringe er auch im Land­tag ein und arbeite im Gerhard-Hauptmann-Haus für die Inter­es­sen der Vertriebenen.

Von der CDU sprach der Land­tags­ab­ge­ord­nete Bene­dikt Hau­ser. Auch er ver­wies auf seine ost­deut­schen Ahnen.

Hier­nach sprach der Vor­sit­zende des Lan­des­ver­ban­des des BdV, Hans-Günther Parplies. Er ver­wies auf den gro­ßen Bevöl­ke­rungs­an­teil der Ver­trie­be­nen, die rund ein Fünf­tel der Bun­des­deut­schen aus­mach­ten. Auf­grund ihrer gro­ßen Zahl halte er die Ein­rich­tung eines natio­na­len Gedenk­ta­ges für ange­mes­sen, um auf die Geschichte und die Ver­trei­bung aus ihrer Hei­mat auf­merk­sam zu machen und zu erin­nern. Auch wäre eine finan­zi­elle Unter­stüt­zung für den BdV sei­tens des Lan­des NRW wün­schens­wert, zumin­dest für den Bon­ner Ost­deut­schen Markt­tag, der seit sei­ner Ein­füh­rung am drit­ten Sonn­tag im Sep­tem­ber statt­finde, und als Ver­an­stal­tung ein­zig sei. Aus­drück­lich lobte Parplies das per­sön­li­che Enga­ge­ment von Bern­hard von Grün­berg, doch würde er als Ein­zel­kämp­fer inner­halb sei­ner Frak­tion nur wenig bewir­ken kön­nen, da ihm hier eine Mehr­heit fehle. Als Bei­spiel für ein Ver­sa­gen der rot-grünen NRW-Minderheitsregierung führte er die Gestal­tung des „Deutsch-Polnischen Jah­res“ an. Bei die­ser an sich guten Idee wurde die Zusam­men­ar­beit mit den Ver­trie­be­nen auf bun­des­re­pu­bli­ka­ni­scher und den deut­schen Min­der­hei­ten auf pol­ni­scher Seite nicht gesucht. Dies sei unver­ständ­lich, seien doch gerade diese Grup­pen ideale Brü­cken­bauer inner­halb der deutsch-polnischen Bezie­hung. Mit Blick auf die bei­den Kan­di­da­ten Hau­ser und von Grün­berg bat Parplies die bei­den Frak­tio­nen, die durch sie ver­tre­ten wer­den, den Fra­gen­ka­ta­log zu beant­wor­ten, den ihn dem BdV zur kom­men­den Land­tags­wahl hat zukom­men las­sen. Bei die­sem Kata­log geht es vor allem um die finan­zi­elle und ide­elle Unter­stüt­zung der Ver­trie­be­nen­ver­bände. Bis­lang sei sei­tens der Frak­tio­nen noch keine Ant­wort erfolgt.

Auch der nach­fol­gende Red­ner, Ste­phan Krü­ger, der Vor­sit­zende der Lands­mann­schaft der Ober­schle­sier in Köln und Mit­glied des Lan­des­vor­stan­des der Ost– und Mit­tel­deut­schen Ver­ei­ni­gung der CDU, beklagte sich über die Pla­nung des Deutsch-Polnischen Jah­res des Lan­des NRW. Die Tat­sa­che, daß die Lan­des­re­gie­rung weder den Kon­takt mit den in den in NRW ansäs­si­gen Lands­mann­schaf­ten noch mit den in der Repu­blik Polen behei­ma­te­ten Orts­grup­pen der deut­schen Min­der­heit gesucht hat, bezeich­nete er als eine Unver­schämt­heit. Die bewußte Aus­gren­zung die­ser Grup­pen sei zudem auf­grund der bereits in der Eröff­nungs­rede von Herrn Rau­hut genann­ten Brückbauer-Funktion bei­der Grup­pen nicht nachvollziehbar.

Als Schluß­red­ner trat Herr Pfar­rer Houver­ath, der als neuer Beauf­trag­ter für die Ver­trie­be­nen im Erz­bis­tum Köln dem Bon­ner BdV künf­tig seel­sor­ge­risch zur Seite ste­hen wird, an das Red­ner­pult. Als Rhein­län­der hat der katho­li­sche Geist­li­che zwar kei­nen direk­ten Bezug zu den Ost­deut­schen und ihrer Geschichte, doch näherte er sich den The­men Ver­trei­bung und Hei­mat­lo­sig­keit auf bib­li­scher Ebene, indem er auf die Bio­gra­phie Jesu Christi ver­wies. Inso­fern fühle er sich den Zuhö­rern durch­aus ver­bun­den und freue sich daher auf seine neue Arbeit.

Zum Schluß der Ver­an­stal­tung wurde ein Grup­pen­photo aller Gast­red­ner und Orga­ni­sa­to­ren ange­fer­tigt.. Auf­grund der grund­sätz­lich guten Reso­nanz, der gro­ßen Betei­li­gung und des ein­gangs genann­ten Dik­tums des Zusam­men­rü­ckens wird der gemein­same Jah­res­emp­fang wohl auch im kom­men­den Jahr ein fes­ter Bestand­teil des Pro­gramms der im BdV Kreis­ver­band Bonn ver­ei­nig­ten Lands­mann­schaf­ten sein. (Helge Steinig)

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